Oder: Warum Frauen in der Lebensmitte Klarheit brauchen – keine Motivation.

Manchmal fühlt sich unser Alltag an wie eine Dauerbaustelle. Der Haushalt ist nie wirklich „fertig“. Irgendwo müsste immer geputzt, gewaschen oder aufgeräumt werden. Die Arbeit hört gedanklich nicht auf – besonders dann nicht, wenn in meinem Lehrerjob Korrekturen bis ins Wochenende reichen. Freizeit fühlt sich eher theoretisch an.

Dazu kommt dieses leise Wissen: In meinem Alter sollte ich echt mal regelmäßig Sport machen. Nicht aus Spaß. Sondern, weil es wichtig ist. Gesundheit wird wichtiger.

Und gleichzeitig das Gefühl, niemandem wirklich gerecht zu werden – am wenigsten mir selbst.

Viele Frauen 40+ fühlen sich nicht wegen eines Problems überfordert, sondern weil zu vieles gleichzeitig Bedeutung bekommt.
Dieser Artikel zeigt, warum mehr Disziplin und Selbstoptimierung hier nicht helfen – und wie stattdessen innere Ordnung, Klarheit und Handlungsfähigkeit entstehen können. Eine Einladung an Frauen ab 40, ihre aktuelle Lebensphase einzuordnen und neu auszurichten.

Ich kenne dieses innere Nebeneinander sehr gut. Das war bei mir keine Ausnahme, sondern ist eher der Dauerzustand für uns Frauen in der Lebensmitte.

Und ich weiß heute: Das Problem ist nicht fehlende Motivation oder mangelnde Disziplin. Es ist fehlende Klarheit. Klarheit darüber, was wirklich Priorität hat. Dass Grundsauberkeit zuhause reichen darf. Dass Selbstfürsorge keine Belohnung ist. Und dass „höher, schneller, weiter“ kein Prinzip mehr ist, das man ewig aushalten kann.

Diese Fragen tauchen für viele Frauen nicht zufällig in der Lebensmitte auf. Ich beschreibe diesen Punkt gerne als Halbzeit. Womit möchte ich meine zweite Lebenshälfte füllen?

Dieser Artikel ist eine Einladung, gerade dort genauer hinzuschauen.

Wenn alles läuft – und es sich trotzdem nicht gut anfühlt

Viele Frauen, mit denen ich arbeite, beschreiben ihren Alltag so: Er läuft. Punkt.
Termine werden eingehalten. Verantwortung wird getragen. Nach außen wirkt alles stabil.

Und trotzdem ist da dieses schwer greifbare Gefühl, dass etwas nicht mehr stimmt. Das man gar nicht konkret benennen kann, kein konkretes Problem ist, kein akuter Zusammenbruch. Eher ein leiser, aber hartnäckiger innerer Druck.

Und was dabei so irritiert: Es gibt eigentlich keinen Grund, warum es plötzlich so anstrengend ist. Nichts Offensichtliches – denn es sind ja genügend Fähigkeiten und Erfahrungen vorhanden. Genau das macht diese Phase so verunsichernd. Wenn man es gewohnt ist, Herausforderungen zu bewältigen, und plötzlich das bewährte „Ich funktioniere einfach weiter“ nicht mehr zuverlässig greift. Irgendwie hat sich die Lebensrealität verändert, auch wenn von außen noch alles gleich aussieht.

Warum sich in der Lebensmitte so vieles gleichzeitig verschiebt

Die Lebensmitte wird oft als Krise beschrieben. Bei Männern haben wir gleich ein Bild im Kopf, wenn wir „Midlife Crisis“ hören. Aber auch bei Frauen gibt es dieses Phänomen – nur anders geprägt: als Phase, in der mehrere Themen gleichzeitig Bedeutung bekommen.

Nicht ein Thema steht im Vordergrund, sondern mehrere Ebenen verschieben sich parallel.

Rollen.
Im Beruf ist man erfahren und zuverlässig. Es sind ja schließlich schon ein paar Jahre, die man dort unterwegs sind. Und gleichzeitig taucht die Frage auf, ob man genau so weitermachen möchte – gerade weil man so gut weiß, was Kraft kostet.

Verantwortung.
Der Alltag ist dicht: Beruf, Organisation, Fürsorge für andere, eigene Projekte – alles läuft nebeneinander. Pausen entstehen nicht mehr automatisch.

Körper.
Energie ist nicht mehr selbstverständlich. „Wir sind halt keine 20 mehr“, sagte eine Freundin neulich zu mir. Regeneration braucht Aufmerksamkeit und Zeit. Was früher nebenbei ging, will heute bewusst eingeplant werden.

Innere Ausrichtung.
Gedanken tauchen auf wie: Was ist mir eigentlich wirklich wichtig? Was trägt mich durch den Alltag? Und was mache ich nur noch aus Gewohnheit? Diese Fragen sind zwar leise, aber im Hinterkopf bleiben sie hartnäckig.

Auf dem Fußboden sitzt eine Frau, die Hände vor's Gesicht geschlagen. Sie wirkt überfordert.

Es ist nicht zu viel – es ist zu viel gleichzeitig

Viele Frauen sagen in der Situation: „Ich bin überfordert.“ – Systemisch betrachtet stimmt das nur teilweise. Denn Überforderung entsteht ja, wenn etwas zu viel ist. In der Lebensmitte ist es häufig etwas anderes: Es ist zu viel gleichzeitig.

Berufliche Fragen. Körperliche Signale. Verantwortung. Eigene Wünsche – Alles hat Gewicht, nichts lässt sich einfach ausblenden. Das Problem ist dabei weder mangelnde Belastbarkeit, noch fehlende Fähigkeit, Prioritäten zu setzen.

Das eigentliche Problem ist die fehlende Reihenfolge. Denn wenn alles wichtig ist, lässt sich nichts klar nach vorne ziehen. Der Kopf bleibt die ganze Zeit beschäftigt, auch wenn äußerlich nichts „passiert“.

Deshalb greifen viele „klassische“ Tipps hier nicht: Mehr Struktur im Kalender löst keine Überlagerung. Und mehr Disziplin macht es oft nur anstrengender.

Was stattdessen hilft, ist ein anderer Blickwinkel:
Nicht fragen „Was ist das wichtigste Thema?“, sondern: „Was liegt hier eigentlich gerade alles gleichzeitig übereinander? Was ist eigentlich alles da?“

Erst wenn diese Ebenen sichtbar werden, entsteht wieder Orientierung.

Wenn der Körper nicht mehr „einfach mitläuft“

Für viele Frauen kommt in dieser Phase noch etwas hinzu: Der Körper meldet sich immer deutlicher. Energie ist nicht mehr unbegrenzt verfügbar, Erholung braucht mehr Aufmerksamkeit. Manches, was früher „einfach mitlief“, fordert jetzt bewusste Entscheidungen.

Diese körperlichen Veränderungen sind selten das Hauptthema, aber sie kommen verstärkend hinzu. Sie machen die innere Gleichzeitigkeit noch fühlbarer.

Auch hier gilt: Hormonelle Veränderungen und damit einhergehend auch körperliche Veränderungen sind ein normaler Teil dieser Lebensphase, kein individuelles Problem oder Versagen.

Und ein weiterer Grund, warum innere Ordnung immer wichtiger wird, statt einfach nur durchzuhalten.

Warum „mehr Anstrengung“ das Problem oft verschärft

Wenn es innerlich unübersichtlich wird, greifen viele Frauen automatisch zu dem, was sie kennen: mehr Struktur, mehr Kontrolle, mehr Disziplin.

Noch ein Plan. Noch eine To-Do Liste. Noch eine Methode. Noch ein Versuch, es „richtig“ zu machen. Das ist nachvollziehbar – und das war lange Zeit erfolgreich. Nur stößt diese Strategie in der Lebensmitte an ihre Grenzen.

Denn Überlagerung lässt sich nicht wegoptimieren. Wenn mehrere Themen gleichzeitig Bedeutung haben, hilft es nicht, eines davon schneller zu bearbeiten.

Mehr Disziplin erhöht oft nur den inneren Druck. Selbstoptimierung verschiebt die Frage von „Was ist hier eigentlich los?“ zu „Warum kriege ich das nicht besser hin?“ So wird aus einer strukturellen Herausforderung schnell ein persönlicher Vorwurf.

Denn wir alle wissen doch: Viele Frauen sind an diesem Punkt nicht zu wenig organisiert, sondern zu lange stark gewesen und über ihre Grenzen gegangen.

Durch eine Linse schaut man einen Steg aufs Wasser hinab. Im Hintergrund ein schöner Sonnenuntergang.

Was in dieser Phase wirklich hilft: Überblick statt Druck

In dieser Lebensphase geht es selten darum, sofort Entscheidungen zu treffen oder das eigene Leben radikal zu verändern. Was zuerst fehlt, ist Überblick.

Hilfreiche Begleitung, zum Beispiel im Coaching, setzt genau dort an. Sie schafft einen Raum, in dem das, was gleichzeitig wirkt, sichtbar werden darf – ohne bewertet oder vorschnell eingeordnet zu werden.

Gedanken werden sortiert. Themen voneinander getrennt. Innere Ansprüche überprüft: Welche sind wirklich meine? Welche habe ich übernommen? Welche passen nicht mehr?

So entsteht Schritt für Schritt eine neue innere Ordnung. Nicht durch mehr Druck, sondern durch Klarheit. Und diese Klarheit hat eine konkrete Wirkung: Sie macht wieder handlungsfähig. Nicht im Sinne von „alles sofort verändern“. Sondern im Sinne von:

  • Entscheidungen treffen können, ohne sich selbst zu überfordern
  • Grenzen setzen, ohne sich rechtfertigen zu müssen
  • nächste (kleine) Schritte erkennen, statt im Gedankenkreisen festzustecken

Viele Frauen erleben an diesem Punkt Erleichterung. Nicht, weil alles gelöst ist, sondern weil sie wieder wissen, worum es geht. Begleitung bedeutet nämlich nicht, das Leben neu zu erfinden, sondern aus innerer Ordnung heraus weiterzugehen.

Auf kleinen Holzwürfeln stehen einzelne Buchstaben. Insgesamt ergibt sich das Wort "Coaching".

Da kommt noch mehr – aber anders als gedacht

Diese Phase, in der innere Überforderung so präsent wird, wird oft als Ende von etwas gelesen. Als Punkt, an dem Möglichkeiten kleiner werden. Viele Frauen denken dann Sätze wie: Jetzt lohnt sich das nicht mehr. – Dafür fehlt mir die Kraft. – Das hätte ich früher machen müssen.

Ich sehe das anders! Wenn innere Ordnung entsteht, verändert sich der Blick. Es wird nicht alles leichter, aber alles viel klarer.

Und mit Unterstützung und einer guten Begleitung an ihrer Seite merken viele Frauen an diesem Punkt: Da ist noch etwas vor mir. Nicht als Punkt, an dem ich radikal neu anfangen muss, sondern als nächste, stimmige Etappe, die beginnen darf.
Kein völlig neues Leben, sondern ein anderes Verhältnis zum eigenen Alltag. Mit mehr Entscheidungsspielraum, mehr Selbstbezug und weniger innerem Gezerre und Gegeneinander.

„Da kommt noch mehr“ meint genau das: Nicht höher, schneller, weiter. Sondern bewusster. Passender. Eigener.

Ich finde, dass diese Lebensphase keine Sackgasse ist, sondern ein Übergang mit vielen neuen Möglichkeiten. Und: Übergänge lassen sich gestalten.

Eine Einladung zur Klärung

Wenn du dich in diesem Text wiedererkennst, dann darfst du dir gerne nochmal bewusst machen, dass du nicht schwach bist. Sieh es als Hinweis darauf, dass deine innere Realität einfach komplexer geworden ist. Was für ein Geschenk, genau das zu erkennen.

In meinem 1:1 Coaching begleite ich Frauen genau in solchen Phasen. Nicht mit schnellen Lösungen, sondern mit Struktur, Klarheit und Raum, um wieder Überblick zu bekommen. Wir packen das Geschenk quasi gemeinsam aus…

Es geht immer wieder darum, innere Überforderung zu sortieren. Damit neue Handlungsfähigkeit entsteht. Und Entscheidungen überhaupt möglich werden – Schritt für Schritt.

Wenn du Fragen hast oder spürst, dass dich dieses Thema gerade beschäftigt, schreib mir gerne.

Und wenn du magst: Teile in den Kommentaren, wo du diese Gleichzeitigkeit in deinem Leben gerade am stärksten spürst.

xo, Tina


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