Oder: 12 Tipps, wie du deinen Selbstwert aufbaust — von der Wurzel her.

Selbstwert, Selbstbewusstsein, Selbstliebe, Selbstfürsorge, Selbstachtung — so viele „Selbst“-Wörter, die oft in einem Topf landen. Meinen sie alle dasselbe? Nein, offensichtlich nicht. (Sonst bräuchten wir ja nicht so viele Wörter…)

Vielleicht sagst du dir manchmal: Mein Selbstwert wackelt. Ich möchte selbstbewusster werden — und kannst selber gar nicht so richtig definieren, wass du eigentlich meinst. Denn viel zu oft werden diese ganzen Selbst-Wörter durcheinandergeworfen und nicht korrekt benutzt. Als Lösung wird dann schnell mal die „Selbstliebe“ herangezogen.

Aber leider ist das, wie nach der Frucht am Baum greifen, ohne die Wurzel zu gießen.

Fünf Begriffe erklärt und am Bild eines Baums eingeordnet.
12 konkrete Tipps, wie du deinen Selbstwert aufbaust — innen und außen.
Und eine klare Ansage, wo du anfängst.

Also, dann lass uns diese ganzen Begriffe mal unterscheiden und sortieren.

Die 5 Begriffe – Was sie wirklich unterscheidet

Selbstwert

Selbstwert ist eine Art innere Antwort auf die Frage „Bin ich okay, so wie ich bin?“ — die nie laut gestellt wird. Der Selbstwert sitzt tief, meist aus der Kindheit, und verändert sich langsam. Er beschreibt, was du über dich denkst, wenn keiner zuguckt.

Selbstbewusstsein

Selbstbewusstsein hat im Deutschen zwei Bedeutungen, die oft verschwimmen. Einmal: Selbstkenntnis — ich weiß, wer ich bin, was ich brauche, was ich kann. Zum anderen: Präsenz — ich stehe mit meinem Wissen und meiner Kompetenz in der Welt. Psychologisch gehört da auch die Selbstwirksamkeit rein: das Vertrauen, dass du Einfluss nehmen kannst auf das, was kommt. Ohne Selbstkenntnis ist Selbstbewusstsein allerdings nur Blabla und Lautstärke.

Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit ist das Vertrauen, dass du Einfluss nehmen kannst auf das, was kommt.

Selbstachtung

Selbstachtung ist Haltung. Ich behandle mich nicht unter meinem Wert und meiner Würde. Ich weiß, was mir zusteht, auch wenn’s für alle unbequem wird, wenn ich es einfordere.

Selbstrespekt

Selbstrespekt ist nah dran — mit stärkerem Grenz-Akzent. Ich erlaube nicht, dass mir dieses oder jenes passiert. Ich stoppe, wenn ich nicht respektvoll behandelt werde. Ich zieh klare Linien, auch wenn’s weh tut.

Selbstfürsorge

Selbstfürsorge ist eine Handlung. Etwas, das du konkret tust. Schlafen, Pausen, Nein-Sagen, Sport, Coaching und Therapie, Zeit für dich. Die sichtbare Seite — und die, die am häufigsten mit „Selbstliebe“ verwechselt wird.

Selbstliebe

Und Selbstliebe? Ist nicht der sechste Baustein. Sie ist das Klima, das entsteht, wenn die ersten fünf zusammen stimmig sind. Sie ist also nicht der Anfang von allem, sondern das Ergebnis.

Und ehrlich gesagt: Ich hab was gegen den Begriff Selbstliebe. Weil er mir irgendwie viel zu inflationär benutzt wird und wir viel zu viel „Spiri-Kram“ damit verbinden. (Echt schade, was daraus geworden ist…)

„Machste erst mal ’ne Runde Yoga.“ „Schreib dir drei Dankbarkeits-Sätze auf.“ Tasse Kaffee mit Herz drauf. Als wäre das die finale Lösung.

Diejenigen Frauen, die nach Selbstliebe suchen, greifen also erstmal zu diesen „abgedroschenen Methoden“ — und merken nach sechs Monaten Meditations-App, dass sich nichts verändert hat. Weil sie nach der Frucht gegriffen haben, statt die Wurzel zu gießen.

Du kannst dir das vorstellen wie einen Baum

Selbstliebe-Baum, der verschiedene Begrifflichkeiten mit "Selbst-" einordnet analog zu einem Baum, mit Wurzeln, Stamm und Zweigen. Diese Abbildung wurde mit KI erstellt
(mit KI erstellt)

Der Selbstwert ist die Wurzel — tief, meist alt. Wenn die sitzt, steht der Baum auch bei Wind. Die Selbstachtung ist der Stamm, an dem sich alles festmacht — Haltung, an der die Äste wachsen. Die Äste sind Selbstfürsorge (was du tust) und Selbstrespekt (wo du Grenzen ziehst). Die Frucht ist dein Selbstbewusstsein — das, was nach außen sichtbar wird. Und Selbstliebe ist das Klima drumherum, in dem der Baum atmen kann.

Wenn du nur die Frucht pflückst, ohne die Wurzel zu gießen, schmeckt sie erstmal süß. Aber dann ist der Baum halt leer. Blöd…

Was den Baum nährt: Innere Quellen

  • Wissen, wofür du stehst. Klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht unbedingt, wenn du die letzten 20 Jahre vor allem allen Anderen gerecht geworden bist und die Werte anderer Leute verwaltet hast. (Hier findest du einen Artikel mit wertvollem Content zum Thema „Werte“.)
  • Entscheidungen treffen, die deine sind. Ja, auch kleine Entscheidungen zählen da. Welcher Film, welcher Wein, was auf die Pizza. Wer Jahre lang „Ist mir egal“ sagt, wird sich selbst irgendwann auch egal.
  • Deinen Körper spüren. Nicht tracken und nicht optimieren. Sondern mal wirklich merken: Schultern hoch? Kiefer zu? Hungrig oder nur gelangweilt? Du hast den Körper die letzten Jahre fast selbstverständlich, wie auf Durchreise behandelt. Er nimmt’s nicht persönlich, aber er hört irgendwann auf, dich zu informieren, wenn’s ihm nicht mehr gut geht.
  • Versprochen, gehalten. Wenn du dir was vornimmst und es auch durchziehst, baust du Vertrauen in dich auf. Wenn du dich 40x selbst versetzt, bricht dieses Vertrauen zusammen. Also fang klein an, wirklich klein. Zehn Minuten spazieren. Ein Glas Wasser vor dem Kaffee. Das reicht, um wieder zu starten. (Just a reminder: Du darfst natürlich so oft neu anfangen, wie es nötig ist. Aber versuch es mal mit deiner eigenen Verbindlichkeit.)
  • Fehler machen und überleben. Wer nie scheitern durfte, weiß gar nicht, wozu man fähig ist und kann sich selbst nicht trauen. Narben sind der Stoff, aus dem Selbstwert wächst — vorausgesetzt, du erlaubst dir, auf deine Fehler zu gucken, statt drüber wegzubügeln.
  • Dich anschauen, ohne dich gleich zu kommentieren oder bewerten. Aus vielen „Coaching-Ratgebern“ kenne ich dieses „Coaching-Bingo“: Versuch’s mal mit Journaling, Spaziergänge, Stille. I know… das klingt furchtbar. Aber sorry to say: es funktioniert meist trotzdem. Natürlich nicht, wenn du dich selbst runtermachst mit: „Oh Gott, das hätte ich anders machen sollen.“ Sondern wenn du dir erlaubst, einfach mal wertfrei hinzuschauen: „Aha. So war das also.“ Beobachten vor Bewerten. Der Rest folgt.

Was den Baum nährt: Äußere Quellen

  • Menschen, die dich präzise sehen. Nicht mit einem generischen „du bist so toll“, sondern „mir ist aufgefallen, dass du …“. Eine wirklich aufmerksame Person reicht. Wenn du keine hast, kann das dein ist das deine erste Task sein: so eine Person zu finden.
  • Menschen, die dich mögen, ohne dass du liefern musst. Also, die dich nicht „nur“ mögen, weil du funktionierst oder weil du was leistest. Sondern einfach weil du DU bist. Hast du solche Personen um dich? Dann kümmere dich gut um diese Beziehungen… so wertvoll.
  • Körper. Umarmungen, Hand halten, zusammen aufs Sofa fallen. Auch ohne Sex. Die Haut merkt sich unbewusst Dinge, die der Kopf nicht mehr bewusst hat. Wer länger keinen Kontakt zu einem anderen Körper hatte, merkt meistens erst, wie sehr’s fehlt, wenn’s wieder passiert.
  • Draußen. Wald, See, Feld, Himmel. Die Natur guckt nicht auf deine To-Do-Liste. Sie fragt nicht, ob du noch kannst oder nur noch durchhältst. Sie ist einfach da. Das ist richtiger Luxus, viel größer, als wir denken.
  • Kunst, Musik, Bücher. Ein Lied, das dich im Herzen trifft. Ein Roman, nach dem du nicht gleich wieder das Handy greifst. Ein Gedicht, das aussagt, was du nicht sagen konntest. Kultur als Spiegel, wenn es dir selbst schwer fällt, deine Gefühle in Worte zu fassen.
  • Coaching oder Therapie. Ehrlich: Wenn’s alleine ginge, hättest du’s längst alleine geschafft. Jemand, der den Raum hält, während du durch deine Sachen gehst, macht einen Unterschied. Du musst das nämlich nicht alleine schaffen. Und by the way: Das hat mal gar nichts mit „Schwäche“ zutun, sondern darf selbstverständlich sein.
    Wenn du einsteigen möchtest, vereinbare ein kostenloses Erstgespräch. Dort loten wir deine Optionen aus.

Und dann kommt die Lebensmitte…

Was bei vielen Frauen round about in der Lebensmitte passiert: Der Selbstwert wurde jahrelang von äußeren Quellen gespeist. Kinder, die dich brauchen. Ein Job, wo du gelobt wirst und Anerkennung bekommst. Ein Partner, der dich sieht. Eltern, für die du da bist. Solange die Quellen flossen, war in ihnen alles ruhig.

*Helena (Name geändert) ist 47. Ihr Sohn ist letzte Woche ausgezogen, nach Oldenburg. Mutter ist sie noch — nur braucht niemand sie mehr täglich. Abteilungsleiterin seit elf Jahren — nur fragt sie sich seit drei Monaten, ob sie das überhaupt noch will. In der ersten Session sagt sie: „Ich wollte mehr Selbstliebe haben. Jetzt merk ich: Ich hab mich nie um die Wurzel gekümmert. Ich hab immer nur von dem genommen, was andere in mich hinein gegossen haben.“

*Helena hat nicht etwa „versagt“, sondern es ist das passiert, was eben passiert, wenn eine Frau jahrelang in Systemen und im Funktionieren lebt, wo sie gebraucht wird. Die Wurzeln werden nicht gepflegt, solang das Gießen von außen reicht.

Der Moment, wo’s kippt, fühlt sich dann oft wie ein großer Verlust an. Das tut weh. Und ja, das ist eine Krise — kein Grund, das kleinzureden. Aber eine solche Krise muss nicht das Tal der Tränen sein, und man bleibt auch nicht für immer dort. In einem solchen Umbruch steckt ziemlich viel, was vorher gar nicht sichtbar war. Und der erste Erfolgsmoment ist der, dass du dann erstmal sehr genau weißt, was du so nicht mehr willst. Von welchen Gefühlen, Gewohnheiten, Rollen du weg willst. Und von da aus lässt sich fragen: was dann.

Wo du jetzt anfangen kannst

Nicht bei der Selbstliebe. Die kommt später, und zwar von selbst, wenn der Rest steht.

Fang bei der Wurzel an: deinen Werten. (Dieser Werte-Kompass-Beitrag auf meinem Blog ist ein guter Einstieg.)

Wenn du tiefer willst, gibt’s mein 6-Wochen-Programm „Bis hierher. Und jetzt anders.“ Sechs Wochen Begleitung im 1:1, genau für diese Arbeit: Wurzel setzen, Stamm stabilisieren, schauen, was wachsen will.

→ Kontaktiere mich jetzt für dein kostenfreies Erstgespräch.

xo, Tina

P.S.: Selbstliebe ist nicht falsch. Nur ist sie nicht Startpunkt. Sie kommt ganz von selbst, wenn der Baum stabil steht. Nicht davor.


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