Oder: Burn-on, wenn nach außen alles läuft und du drinnen leer bist.
Es ist 22 Uhr abends. Die Kinder schlafen, die Küche ist aufgeräumt, für den nächsten Tag ist alles vorbereitet, sogar der Einkaufszettel liegt schon auf dem Tisch. Und du liegst wach, weil dein Kopf einfach den Ausschalter nicht findet. Von außen läuft bei dir alles, du hast scheinbar alles im Griff. Und trotzdem fühlt es sich innen leer an.
Für genau diesen Zustand, nach außen zu funktionieren und innen leerzulaufen, gibt es einen Namen: Burn-on, oft auch stiller Burnout genannt. Ich bin Tina Niemann, systemische Coach für Frauen ab 40 und Pädagogin, und diesen einen Satz höre ich in fast jedem Erstgespräch: „Ich funktioniere nur noch.“
Hier erfährst du, was ein stiller Burnout (Burn-on) genau ist und woran du ihn bei dir erkennst.
Du verstehst, warum weder Schlaf noch der nächste gute Ratschlag diese Erschöpfung wegbekommen.
Und du bekommst drei konkrete Schritte, mit denen du heute anfängst, statt weiter nur zu funktionieren.
Lass uns da mal tiefer einsteigen.
So sieht ein stiller Burnout im Alltag aus
*Sandra ist 43, Lehrerin, zwei Kinder, ein Mann, ein Haus. Wenn sie morgens um acht vor ihrer Klasse steht, hat sie den ersten Marathon schon hinter sich. Sie ist jetzt schon erschöpft, bricht aber nicht zusammen. Sie steht da und funktioniert, den ganzen Tag, und abends, wenn die Kinder im Bett sind, setzt sie sich nochmal an die Korrekturen und Eltern-Mails, die liegengeblieben sind.
Im ersten Gespräch sagt sie erstmal: „Mir geht’s ja eigentlich ganz gut. Ich hab ja alles. Und vielleicht sollte ich mich einfach nicht so „anstellen“. Und dann, ein paar Minuten später, ganz leise: „Ich bin so erschöpft von meinem Gedankenkarussell, dass ich abends nicht mal mehr das Buch aufschlage, auf das ich mich den ganzen Tag gefreut habe.“
Vielleicht kennst du diese *Sandra. Vielleicht bist du sie.
Was ist Burn-on? Der Unterschied zum Burnout
Lange gab es für diesen Zustand kein Wort. Man ist ja nicht krank. Man funktioniert ja. 2021 haben der Psychosomatiker Bert te Wildt und der Psychologe Timo Schiele in ihrem Buch endlich einen Begriff dafür geprägt: Burn-on. Gemeint sind damit Menschen, die so viel leisten, dass sie dauernd erschöpft sind und trotzdem weiter funktionieren. Sie brennen weiter, statt auszubrennen. Genau das steckt im Wort.
Und der Unterschied zum Burnout ist wichtig. Von einer Erschöpfungsdepression hast du wahrscheinlich schon mal gehört, der Begriff ist im Alltag längst angekommen. Was die wenigsten wissen: Es gibt sie in zwei Geschwindigkeiten. Den Burnout beschreiben te Wildt und Schiele als die akute Form. Da kommt irgendwann der Zusammenbruch, nichts geht mehr, oft mit einer starken Abneigung gegen die Arbeit. Burn-on ist die chronische Form. Der Zusammenbruch bleibt aus, und genau das macht ihn so leicht zu übersehen. Du bleibst am Limit, über Monate, manchmal über Jahre, ohne dass es von außen jemand merkt. Und du spürst es meistens zuerst am Körper:
- Dauermüdigkeit, die auch nach dem Wochenende nicht weggeht
- ein Kopf, der abends nicht aufhört zu kreisen
- Schlaf, der nicht mehr erholt
- Kopfschmerzen und Verspannungen in Nacken und Schultern
- eine Freude an kleinen Dingen, die immer leiser wird
Und weißt du was? Es tut ziemlich gut, endlich ein Wort zu haben für etwas, das man vorher nur gespürt hat. Nur: Genau da fängt die Arbeit erst an.
Warum Tipps gegen Burn-on nicht helfen
Ein Name allein, für das, was du spürst, ändert aber am nächsten Morgen leider noch gar nichts. *Sandra steht wieder um acht vor ihrer Klasse.
Und *Sandra ist alles andere als ahnungslos oder uninformiert. Sie hat Bücher gelesen, Podcasts gehört, es mit früh aufstehen versucht, mit Dankbarkeits-Journal und Meditations-App. Kennst du das? Du hast bestimmt auch schon so einiges probiert. „Man nimmt die Tipps mit“, sagt *Sandra, „und dann landen sie in der Schublade.“
Und jetzt kommt der Teil, den die wenigsten erwarten. Du hast genug Informationen gesammelt, genug gelesen. Du weißt eigentlich längst genug. (Also Spoiler: Es liegt nicht daran, dass du zu wenig weißt.) Was unter deiner Dauerlast fehlt, ist die innere Ordnung, damit das Wissen überhaupt greifen kann. Deshalb verpufft ein guter Tipp nach dem anderen. Mehr Anstrengung ist an dieser Stelle keine Lösung. Vor der Veränderung kommt das Verstehen.
Und verstehen heißt hier: erst mal sehen, was bei dir wirklich los ist, bevor du das nächste Werkzeug auspackst.
Was hilft bei Burn-on? 3 erste Schritte
Wenn du trotzdem erstmal für dich auf einen Lösungsweg gehen möchtest, habe ich hier drei Schritte, die du sofort ausprobieren kannst. Sie sind kein Ersatz für echte, tiefe Arbeit. In meinen Coachings sind sie eingebettet in den Gesamt-Prozess. Aber vielleicht bieten sie dir ein wenig Entlastung.
- Wichtigkeit gegen Energie. Schreib alle Bereiche auf, die für dich in deinem Leben relevant sind: Partnerschaft, Kinder, Arbeit, Freundschaften, Körper, das, was dir Freude macht… Gib jedem eine Zahle von 0 (gar nicht) bis 10 (sehr stark): zum einen, wie wichtig er dir im Leben ist. Hier geht es also darum, wie bedeutend er für dich in deinem Leben ist. Und zum anderen: bewerte danach mal, wie viel Energie er gerade tatsächlich bekommt. Wie aktiv du also gerade in dem jeweiligen Bereich bist. Wo die beiden Zahlen weit auseinanderliegen, siehst du ziemlich schnell, was zu kurz kommt. Das ist im Kern die Lebensrad-Übung, und genau diese Übung empfehlen auch te Wildt und Schiele.
- Der Körper zuerst. Bevor der Kopf ruhiger wird, muss der Körper runterkommen. Ich empfehle hier sehr überzeugt und total gerne, mit der eigenen Stimme zu arbeiten. Ein paar Minuten summen oder eine Lieblingsstrophe singen. Unser Körper und unser Nervensystem reagieren auf die Vibrationen, die dabei im Körper entstehen und fühlt sich sicher. (Denk mal kurz, wie Mütter ihr Neugeborenes beruhigen, es in den Schlaf summen – das ist ganz tief in unserem Gehirn verankert!) Es klingt vielleicht albern und beruhigt trotzdem dein Nervensystem. Mach das so oft du magst, mindestens einmal am Tag, bevor du das nächste To-do angehst.
- Dein Genervtsein als Bote nehmen. „Mich nervt, dass es mich nervt.“ Das könnte ein Ausspruch von mir sein 😉 Aber statt dieses Gefühl wegzudrücken, frag dich mal: Worauf zeigt es eigentlich? Welche Message bringt es eigentlich mit? Meistens steckt darunter ein Bedürfnis, das viel zu lange viel zu kurz gekommen ist und nicht befriedigt wurde.

(Abbildung erstellt mit KI)
Wenn du tiefer gehen willst
Diese drei Schritte bringen dich hoffentlich in eine erste Bewegung, wenn du sie dir bewusst vornimmst. Aber honestly: Allein rutschst du unter Dauerlast wahrscheinlich schnell zurück in deine alten Muster. Das liegt nicht an deinem fehlendem Willen, sondern an deinem „Autopiloten“. Der greift nämlich schneller ein, als jeder gute Vorsatz hält. Er will dich in deinen „gewohnten Gefühlen“ halten, weil er denkt, dass du nur da „sicher“ bist. Er will also nur dein Bestes, gerade an den vollen Tagen. 🥴
Fang einfach hier ganz klein an: Mein Quiz „Außen: läuft. Und was ist mit innen?“ spiegelt dir in fünf Minuten, welcher Anteil von dir gerade im Vordergrund ist. Welcher Teil von dir gerade mehr Aufmerksamkeit möchte und deswegen dein Handeln „lenkt“. Hier bekommst du einen ziemlich guten erster Blick auf das, was in dir eigentlich los ist.
Und wenn du tiefer willst, gibt es mein 6-Wochen-Programm „Bis hierher. Und jetzt anders.“ Persönliche Coaching-Session und begleitende Übungen, genau für diese Arbeit: verstehen, was dich im Funktionieren hält, und Schritt für Schritt etwas anderes aufbauen. Buche jetzt dein kostenloses Erstgespräch, dann besprechen wir alles weitere.
Ich freu mich, mit dir in Kontakt zu bleiben – hier in den Kommentaren, in meinem Newsletter oder im persönlichen Austausch.
xo, Tina
Über die Autorin: Tina Niemann ist systemische Coach für Frauen. Sie begleitet Frauen, die nach außen funktionieren und innen an ihre Grenze kommen, mit visuellen Methoden als Anker für den Alltag.


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