Oder: Wie Frauen ab 40 ihre inneren Muster besser verstehen – und verändern können.

Ab 40 reagiert das Nervensystem vieler Frauen spürbarer auf Stress. Dahinter stehen die vier Stress-Reaktionen Fight, Flight, Freeze & Fawn.
Hier liest du, wie sie im Alltag wirken, warum sie in der Lebensmitte häufiger auftreten und wie du mit einfachen, kreativen Tools wieder innere Klarheit und Selbstwirksamkeit gewinnst.

Du sitzt im Auto nach einem langen Arbeitstag. Vor dir erstreckt sich eine rote Kette aus Bremslichtern, hinter dir wird gedrängelt, und neben dir blinkt das Handy im Minutentakt. Noch bevor du bewusst reagieren kannst, passiert es: ein Anflug von Gereiztheit, der Impuls, einfach wegzufahren, ein kurzer Moment innerer Starre – oder der Gedanke: „Wenn ich mich jetzt anpasse, gibt es wenigstens keinen Ärger.“

Fight. Flight. Freeze. Fawn.
Vier Stressreaktionen, die weit mehr über dein Nervensystem aussagen als über deinen Charakter.

Dass diese Muster in der Lebensmitte häufiger auffallen, liegt nicht daran, dass du empfindlicher geworden bist. Es liegt daran, dass du bewusster wirst. Und dass die Summe deiner Belastungen – beruflich, privat, körperlich, innerlich – größer geworden ist. Stress wird feiner, subtiler, schneller spürbar. Und dein Nervensystem reagiert darauf in Millisekunden.

1. Was im Hintergrund passiert: Dein Nervensystem arbeitet schneller, als du denken kannst

Dein autonomes Nervensystem prüft permanent, ob du sicher bist oder reagieren musst. Schneller, als du Entscheidungen treffen kannst, aktiviert es entweder Energie (Sympathikus) oder beruhigt dich (Parasympathikus).
Zwischen diesen beiden Systemen entstehen die bekannten Stressreaktionen:

  • Fight (Kampf) – Angriff, Aktivierung, Durchsetzen, Lautwerden
  • Flight (Flucht) – Rückzug, Vermeidung, innere Distanz
  • Freeze (Einfrieren) – Erstarren, Blockieren, nicht reagieren können
  • Fawn (Anpassen) – Überanpassung, Harmonie um jeden Preis

Diese Muster sind evolutionär sinnvoll; sie haben Menschen überleben lassen.
Heute reagieren sie jedoch nicht auf Säbelzahntiger – sondern auf E-Mails, Erwartungen, Überlastung und innere Konflikte.

2. Warum diese Reaktionen in der Lebensmitte stärker auftreten

Viele Frauen zwischen 40 und 55 berichten, dass ihr Nervensystem „schneller anspringt“. Nicht, weil sie weniger belastbar wären, sondern weil das Leben sie auf mehreren Ebenen gleichzeitig fordert.

Beruf: Die wachsende Komplexität

Karrierewege, Wechsel, Verantwortung, Deadlines, Teamdynamiken – und die zunehmende Frage: „Will ich das so weitermachen?“
Ein Boden, auf dem Fight (Perfektion, Gereiztheit) und Flight (Vermeidung) häufig gedeihen.

gezeichneter Bär mit aufgerissenem Maul und Boxhandschuhen, darunter der Text "Fight"

Rollen & Beziehungen – unabhängig davon, ob du Mutter bist

Partnerschaft, Patchwork, Pflege von Angehörigen, Verantwortung im Alltag, emotionale Arbeit – Rollen verschieben sich, Erwartungen steigen, und oft bleibt die eigene Energie irgendwo zwischen „ich muss“ und „ich will eigentlich nicht mehr“.

Gesellschaftlicher Druck

Jugendideale, Selbstoptimierung, Social Media, Vergleiche: ein ständiges Hintergrundrauschen, das Fawn (Überanpassung) oder Freeze (Überforderung) aktiviert.

Innere Bilanz & Identitätsfragen

Die Lebensmitte stellt Fragen, die früher leiser waren:
Bin ich noch die, die ich sein will?
Was fehlt mir? Wohin will ich?

Körperliche Veränderungen

Hormone (all the Meno-Ladies…), Schlaf, Energie, Regeneration verändern sich – und damit deine Stresssensibilität.

All diese Faktoren wirken gemeinsam – nicht einzeln. Und genau dadurch reagieren Stresssysteme in dieser Phase intensiver.

3. Wie dich die vier Stressmuster im Alltag beeinflussen

FIGHT, FLIGHT, FREEZE und FAWN treten nicht in dramatischen Ausnahmesituationen auf. Sondern meistens erscheinen sie im Kleinen – und fallen deswegen lange nicht auf.

FIGHT – wenn alles schneller zu viel wird

Plötzliche Gereiztheit. Innere Spannung. Der Wunsch, die Kontrolle zurückzuholen.
Du wirst lauter – manchmal nur innerlich.
Beispiel: Eine harmlose Rückfrage im Meeting fühlt sich an wie ein Angriff.

FLIGHT – wenn Rückzug wie die einzige Rettung wirkt

Du tauchst ab, scrollst, meidest Gespräche oder flüchtest in Aktivität.
Beispiel: Statt der wichtigen Entscheidung räumst du impulsiv die Küche auf.

gezeichneter Bär von hinten, der weggeht und eine Hand hoch hält. Darunter der Text "Flight"

FREEZE – wenn das System blockiert

Du willst handeln, aber kommst nicht los.
Beispiel: Du starrst auf eine Nachricht, die du beantworten müsstest – und fühlst dich wie eingefroren.

FAWN – wenn Harmonie wichtiger wirkt als Klarheit

Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst. Glättest Konflikte. Übernimmst, obwohl du erschöpft bist.
Beispiel: Du stimmst einer Anfrage sofort zu, obwohl dein Kalender bereits voll ist.

4. Woran du erkennst, welches Muster aktiv ist

Oft spürst du es zuerst im Körper oder Verhalten:

  • Du reagierst unverhältnismäßig stark oder schwach.
  • Dein Körper ist schneller gestresst als dein Kopf.
  • Du funktionierst äußerlich, aber bist innerlich abwesend.
  • Du sagst Dinge, die nicht zu dir passen.
  • Du fühlst Spannung ohne klaren Auslöser.

Das sind klare Hinweise, dass dein Nervensystem versucht, dich zu beschützen. (Und nicht etwa Zeichen von Schwäche!)

gezeichneter Bär mit leerem Blick. Darunter der Text "Freeze".

5. Was du tun kannst: Erste Schritte, die echt funktionieren

Hier geht es nicht um oberflächliche Tipps wie „tief durchatmen“.
Es geht darum, den Autopilot kurz zu unterbrechen, damit du wieder Zugriff auf dich selbst bekommst.

Den Körper beruhigen – der direkte Weg

  • Länger ausatmen als einatmen
  • Bewusst die Füße am Boden spüren
  • Den Blick durch den Raum wandern lassen

Diese kleinen Schritte aktivieren sofort den Parasympathikus.

Benennen, was passiert

Sag innerlich:
„Fight.“ – „Flight.“ – „Freeze.“ – „Fawn.“

Diese Selbstbenennung verschiebt dich vom Reiz → in die bewusste Wahrnehmung.

Kreative Tools nutzen für schnelle Klarheit

Mache deine Stress-Muster sichtbar, also so richtig, auf Papier:

Handlettering
Schreibe ein Wort, das deinen Zustand beschreibt.
Die bewusste, ruhige Bewegung beruhigt auch dein Nervensystem.

Mini-Visualisierung
Skizziere Überforderung, Einfluss, Energie oder Grenzen. Arbeite ganz intuitiv.
Ein paar Striche reichen schon, es muss kein Kunstwerk werden – sie schaffen sofort Orientierung.

Journaling (2-Minuten-Methode)
Beantworte dir selbst eine Frage:

  • Was triggert mich hier wirklich?
  • Welche Reaktion ist aktiv?
  • Was bräuchte ich stattdessen?

Kreative Methoden: Kurz, klar, ohne Poesie – aber unglaublich effektiv.
(Wenn du mehr über meinen Ansatz mit kreativen Tools erfahren möchtest, lies gerne hier weiter.)

Gezeichneter Bär mit einem Geschenk in der Hand. Darunter der Text "Fawn"

6. Chancen und Selbstwirksamkeit (statt fremdgesteuert)

Viele Frauen erleben diese Stressreaktionen zunächst als Krise.
Aber eine Krise ist in Wirklichkeit ein Hinweis: Dein Nervensystem zeigt dir, wo alte Muster nicht mehr zu deiner Lebenssituation passen.

Selbstfreundlichkeit schafft Raum.
Klarheit schafft Handlung.
Kreative Selbstreflexion schafft Regulierung.

Nochmal: Du bist nicht plötzlich empfindlicher. Vielmehr wirst du bewusster. Und damit auch stärker.

Fazit

Dein Nervensystem macht seinen Job. Es schützt, reguliert und warnt.
Wenn du verstehst, wie Fight, Flight, Freeze & Fawn in deinem Alltag wirken, kannst du deine Stressmuster verändern – Schritt für Schritt.

Kreative Tools wie Handlettering, Journaling oder kleine Visualisierungen machen das Unsichtbare sichtbar. Sie ordnen Emotionen, entlasten dein System und geben dir die Möglichkeit, wieder in deinen Rhythmus zu finden.

Wie in der Musik gilt:
Harmonien und Disharmonien erzeugen Balance.
Wenn etwas „schief klingt“, ist es kein Fehler – sondern eine Spielart in der Komposition.


Wenn du Lust hast, das gezielt zu üben und Klarheit zu gewinnen, begleite ich dich gern – mit kreativen Tools, systemischer Klarheit und Erfahrung.


Hier findest du meine Coaching-Angebote. Viel Spaß beim Stöbern – ich freue mich drauf, von dir zu hören!

xo, Tina


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