Oder: Das ehrliche Fazit nach meinem „Experiment: Ich“.
Ab wann ist „Funktionieren“ eigentlich keine Strategie mehr, sondern wird zu einem Teil der eigenen Identität? Ich meine nicht diese Phasen, durch die man einfach mal durch muss. Die kommen manchmal, das kennt jede Frau. Ich meine den Zustand, in dem man gar nicht mehr merkt, dass man auf Autopilot läuft. In dem Beschäftigt-Sein sich wie Normalzustand anfühlt und Pause sich „gefährlich“ anfühlt, wie etwas, das man sich erst verdienen muss.
Das war der Ausgangspunkt, der mich in dieses Experiment geführt hat. Weil ich mir diese konkrete Frage über mich selbst schon so lange stelle und einfach nicht an die Antwort herangekommen bin. Klar, in der Theorie schon, aber ich konnte das Gefühl dazu nicht fühlen.
42 Tage radikale Selbstliebe, live auf Instagram: das war das Experiment: Ich.
Dieses Fazit beschreibt, was sich in dieser Zeit wirklich verändert hat, warum Selbstwert am Ende der genauere Begriff ist, und was sechs Wochen strukturiertes Hinschauen im Alltag leisten können.
Kein Motivationstext, kein Wohlfühl-Fazit. Ein ehrlicher Erfahrungsbericht für alle, die wissen möchten, was passiert, wenn man wirklich hinschaut.
42 Tage lang habe ich das beobachtet und die meisten Tage auch auf Instagram dokumentiert, mit einem selbst entwickelten Workbook als Unterstützung, und mit offenem Ausgang. Kein Ziel dahinter außer: Ich will das endlich verstehen und mit meinem ganzen System erfahren. Heute gibt’s mein Resümee dazu. Eine ehrliche Zusammenfassung, Analyse und meine Learnings. Alles zwar aus meiner Perspektive und ziemlich persönlich. Aber ich weiß aus so vielen Gesprächen, dass ich damit sicher nicht allein bin. Wenn das also auch dein Thema ist: Viel Spaß beim Lesen.
Das Workbook: Beobachten statt Optimieren
Ich habe mir für dieses Experiment bewusst kein Ziel gesetzt. Das macht bei einem Experiment ja auch überhaupt keinen Sinn: Wenn ich ein Ziel hätte, müsste ich nicht mehr herum-experimentieren. Also kein „Ich will freundlicher mit mir sein“ oder „Ich will meinen inneren Kritiker loswerden“. Ich hatte zwar eine Idee, was ich gerne verändern wollte. Aber aus meiner Coaching-Arbeit weiß ich auch, dass solche Ziele sofort Druck erzeugen. Und Druck ist eine ziemlich ungünstige Ausgangslage, wenn man sich selbst ehrlich anschauen will.
Statt dessen habe ich mir selbst ein „Werkzeug“ gebaut: Ein selbst entwickeltes Workbook als tägliche Beobachtungshilfe:
- Welcher meiner inneren Anteile übernimmt gerade das Steuer?
- Wie freundlich ist die Stimme, mit der ich über mich spreche?
- Wie oft finde ich über den Tag zurück zu mir, bevor mich der Autopilot wieder überholt hat?
Es sollte kein Tagebuch sein, sondern ein echtes Hilfsmittel. Deshalb habe ich für jeden Tag noch eine Reflexionsfrage ergänzt, die mich tiefer führen sollte. Mit so Fragen, denen man eigentlich lieber ausweicht…, zum Beispiel:
- Was hätte ich einer Freundin gesagt, die in meiner Situation ist? Und warum spreche ich so nicht mit mir?
- Wann habe ich heute einer Sache zugestimmt, obwohl ich ein „Nein“ gefühlt habe?
- Was ist für meine innere Perfektionistin zwar noch nicht fertig, darf jetzt aber trotzdem losgelassen werden?
42 Tage, 42 verschiedene Fragen. Sie haben mich immer mal wieder aus dem Autopiloten herausgezogen, weil ich mich committet habe, mich nicht wegzuducken. Das klingt vielleicht unbequem, hat mir aber an manchen Tagen das Experiment „gerettet“.
Es hat mir geholfen, überhaupt dranzubleiben. An Tagen, an denen die Motivation komplett weg war, hatte ich das Workbook. Als Erinnerung, nicht als Antreiber. Erinnerung, dass es nicht perfekt laufen muss, sondern dass ich einfach weitermachen darf. Am Ende jeder Woche hatte ich mir einen kurzen Rückblick eingebaut um zu checken, wo ich stehe. Im Vergleich zum Anfang des Experiments oder zur Woche davor, um ein ehrliches Bild davon zu bekommen, was sich da in mir bewegt hat. In mir, und nicht um mich herum. Spannend, kann ich nur sagen…
Ich habe das Workbook wachsen und sich weiterentwickeln lassen. Von Woche zu Woche an meine Bedürfnisse und an meine Erfahrungen angepasst. Am Ende bin ich jetzt schon bei Version 11 des Workbooks. Es ist aus 42 echten Tagen entstanden. Und wenn du möchtest, kannst du auch damit arbeiten und dein eigenes „Experiment: Ich“ starten. 👉 Hier kannst du das Workbook für dich persönlich kaufen und downloaden.
Drei Fragen. 42 Tage. Eine Bewegung.
Am Anfang des Experiments hatte ich drei Fragen, die ich mir schon lange stellte:
- Wie rede ich eigentlich mit mir, wenn niemand zuhört?
- Wie oft gelingt es mir über den Tag wirklich bei mir selbst „anzudocken“?
- Und wie lange brauche ich, um nach einem schwierigen Moment wieder zu mir zurückzufinden?
Ich habe sie damals aufgeschrieben, weil ich wissen wollte, ob sich an den Antworten irgendetwas verändert. Und ja, das hat es. Aber nicht so geradlinig, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Das Experiment hat den Untertitel „radikale Selbstliebe“, und das hab ich sehr bewusst so gewählt. Aber was in diesen 42 Tagen tatsächlich in Bewegung geraten ist, kann ich jetzt sogar noch genauer benennen: mein Selbstwert. Denn der Selbstwert ist die Wurzel von allem! 👉In diesem Artikel habe ich die Unterschiede mal auseinandergenommen. Selbstliebe ist nicht der Anfang von allem, sie ist das Klima, das entsteht, wenn die Selbstwert-Wurzel stabiler wird. Und genau diese Wurzel hat sich in 42 Tagen bewegt: von außen nach innen.
Die folgenden Themen und Learnings haben sich mir während meines Experiments immer wieder gezeigt. In verschiedenen Situationen, mit verschiedenen Gesichtern. Und sie alle laufen auf diese eine Bewegung hinaus.
„Die Funktionierende“: wenn Leistung zum Selbstwert wird
Mein Autopilot hat bei mir einen Namen. Ich nenne sie „die Funktionierende“. Sie erledigt alles, vergisst nichts, hält das System am Laufen. Und sie hat das, solange ich denken kann, ziemlich zuverlässig getan.
Was mir das Experiment gezeigt hat: Sie funktioniert auch dann, wenn ich sie gar nicht gerufen habe. Immer „schnell schnell“, mit To-do-Liste, beschäftigt bleiben, nur nichts liegenlassen. Das klingt produktiv, ist es meistens auch. Aber in den letzten 42 Tage tägliches Beobachten ist mir nochmal etwas ganz besonders bewusst geworden: Wie eng Leistung und das Gefühl, genug zu sein, bei mir miteinander verknüpft sind.
Daraus hat sich irgendwann die Frage ergeben: Bin ich eigentlich auch dann okay, wenn ich gerade gar nichts leiste? Einfach rumsitze, nichts schaffe, keiner Erwartung entspreche? Und damit bin ich dann weiter durch mein eigenes Experiment gegangen. Ich glaube, viele Frauen kennen dieses Unbehagen, dieses unwohle Gefühl. Man hält sich lieber ständig beschäftigt, weil beschäftigt sein sich „sicher“ anfühlt. Solange man einfach weiter „funktioniert“, muss man sich nämlich diese Frage nicht stellen.
Wie tückisch und beinahe gefährlich das für mich ist, hab ich an einem besonders anstrengenden Tag während des Experiments gemerkt. Ich war so erschöpft, dass mir eigentlich jede Energie fehlte. Und was hab ich in der Konsequenz gemacht? Weiter. Listen aufgemacht, weitergemacht, „jetzt erst recht“ gedacht. Und bin dabei (natürlich!) immer gereizter und erschöpfter geworden. Wer in der Erschöpfung noch mehr funktioniert, fällt immer tiefer ins Loch. Logisch eigentlich. Mein Nervensystem konnte den Autopiloten in diesem erschöpften Zustand überhaupt nicht mehr bremsen.
Das kenne ich übrigens auch aus vielen Coaching-Gesprächen mit Frauen, die genau an dem Punkt stehen. In diesen 42 Tagen hab ich es an mir selbst nochmal in einer Intensität erlebt, die mich überrascht hat.
Wie ich mit mir rede, wenn niemand zuhört
Das war eine der drei Fragen, die ich am Anfang aufgeschrieben hatte. Die ehrliche Antwort kannte ich vorher schon ungefähr: meistens nicht sehr freundlich. Was mir das Experiment aber gezeigt hat, ist das Wann. Wann genau kommt diese Stimme?
Meistens dann, wenn ich gerade nicht „funktioniere“. Wenn ich für meine Geschmack zu langsam bin, etwas liegen lasse, mich mit etwas schwerer tue als erwartet. Dann ist sie da, streng, antreibend, ohne viel Mitgefühl. Ich glaube, viele Frauen kennen diese Stimme. Man kennt sie so gut, dass man sie irgendwann gar nicht mehr wahrnimmt. Sie läuft einfach.
Dann kam irgendwann in der zweiten Woche eine überraschende Wendung: Ich habe angefangen, mich morgens kurz im Spiegel anzulächeln. Nur so im Vorbeigehen, kein großes Ding, ohne Kommentar oder Bewertung. Einfach ein Moment im Kontakt mit mir selbst. Das klingt echt dünn, fast schon lächerlich. Aber ich hab’s trotzdem beibehalten, weil es sich irgendwie anders und gut angefühlt hat.
Was ich dabei gelernt habe: Diese innere Stimme verändert sich, wenn man ihr nur mal Aufmerksamkeit gibt. Ich habe beobachtet, was sie sagt und wann, und dann schnell gemerkt, wie viel davon über Jahre gelernt ist. Tja, und was gelernt ist, kann sich auch verändern. Stichwort „Neuroplastizität“. Sag ich meinen SchülerInnen ja auch schon seit Jahren. Und in diesen 42 Tagen durfte ich es an mir selbst nochmal neu erfahren. All meiner Erfahrung als „Lernbegleiterin“ zum Trotz.
Denn echtes Lernen ist selten linear, meistens auch ziemlich unbequem. Es gibt keine Abkürzung, man kommt an den unangenehmen Learnings nicht einfach vorbei. „The only way out is through.“ Diesen Satz hab ich öfter gebraucht, als mir lieb war. Aber er stimmt.
Der Raum zwischen Reiz und Reaktion
Das war die dritte Frage vom Anfang: Wie lange brauche ich, um nach einem schwierigen Moment wieder zu mir zurückzufinden?
Ehrliche Antwort aus Woche 1: zu lange.
Es gab eine Situation im Berufsalltag, die sich zweimal wiederholt hat. Meine Kompetenz wurde in Frage gestellt, mein Wert nicht gesehen und anerkannt. Jedenfalls habe ich da so wahrgenommen. Das erste Mal war ich sofort drin in meinem „Film“: Ärger, mich ohnmächtig fühlen, der ganze Abend gelaufen. Das zweite Mal kam dasselbe Gefühl hoch. Aber diesmal habe ich es früher erkannt. Ich konnte reagieren: bin kurz rausgegangen, hab Luft geholt, bin dann zurückgekommen. Und danach war ich zum ersten Mal in so einer Situation stolz auf mich. Denn ich hatte es geschafft, den Raum zwischen dem Auslöser und meiner Reaktion darauf bewusst zu steuern.
Das ist es, was „Raum zwischen Reiz und Reaktion“ konkret bedeutet: Der erste Impuls ist noch derselbe. Ich höre ja nicht plötzlich auf zu fühlen. Aber der Moment, in dem man versteht, was gerade passiert, kommt früher. Und in diesem Moment kann man noch entscheiden. Entscheiden, wie man mit der Auslöser-Situation jetzt umgehen will. „Wer regt sich auf? ICH rege MICH auf.“ Dieser Satz ist mir in einer anderen Situation während des Experiments durch den Kopf gegangen. Er fasst ziemlich genau zusammen, was ich die ganze Zeit übe: den Fokus von dem, was andere tun, zurück zu mir bringen.
Das innere Gerüst
Gegen Ende des Experiments hat sich etwas im Außen verändert. Eine Konstante in meinem Berufsalltag, die über Jahre verlässlich da war, ist weggefallen. Timing, wie so oft – ich glaub ja nicht an Zufälle.
Was das mit dem Experiment zu tun hat? Diese 42 Tage haben etwas geschaffen, das ich beim Start noch gar nicht auf dem Plan hatte. Einen inneren Referenzpunkt, ein inneres Gespräch, das jetzt öfter läuft. Die innere Frage: Was passiert hier gerade eigentlich? Und was brauche ich jetzt gerade wirklich, um damit gut umzugehen?
Irgendwann kommt der Moment, in dem man sich fragt, auf wessen Einschätzung man sich eigentlich verlässt im eigenen Alltag. Die einer Therapeutin, der besten Freundin, eines Mentors, oder die eigene? All diese Stimmen können wichtig sein. Aber die eigene muss irgendwann zur primären und wichtigsten werden.
In Woche 4 habe ich diesen Satz aufgeschrieben: „Da kommt kein anderer.“ Gemeint war: Niemand von außen kann diese inneren Gespräche für mich führen. Kein Mentor, keine Methode, kein 42-Tage-Experiment. Die Arbeit, sich selbst zur verlässlichsten Orientierung, zum eigenen „Leuchtturm“ zu machen, geht nur von innen.
Das ist also eine Challenge, die mir auch nach dem Experiment noch erhalten bleibt. Mein eigenes „inneres Gerüst“ noch besser zu stärken.
Fazit nach 6 Wochen „Experiment: Ich“
Würde ich es nochmal machen? Ja. Ohne wenn und aber.
Dass natürlich nicht jede Erkenntnis auf Instagram gelandet ist, war eine sehr bewusste Entscheidung: Einiges war schlicht zu persönlich. Dieses Experiment öffentlich zu machen, hatte trotzdem seinen Sinn: Accountability. Dranbleiben auch an Tagen, an denen ich nicht so richtig Lust hatte.
Was geholfen hat: die Struktur. Das Workbook als Beobachtungsrahmen, täglich, ganz konkret und ohne Bewertung. Und die Wochen-Abgleiche: Die haben sichtbar gemacht, was sich verändert hat, auch wenn sich einzelne Tage nicht danach angefühlt haben.
Was schwierig war: die eigene Ehrlichkeit, nach innen. Die Frage, ob das, was ich aufschreibe, wirklich stimmt. Ob ich mal wieder „funktioniere“ und das als Ergebnis verpacke. Die hat mich manchen Abend mehr beschäftigt als die eigentliche Aufgabe.
Sechs Wochen systematische Beobachtung haben mir vieles (wieder) bewusst gemacht und mir einiges über mich gezeigt, woran ich sonst noch lange gearbeitet habe. Das hätte ich vorher so nicht gesagt. Das Ergebnis ist ehrlicher als erwartet: ein guter Grund, weiterzumachen.
Wenn du mein Experiment auf Instagram mitverfolgt hast, dann hast du deinen eigenen Blick darauf mitgebracht. Vielleicht erkennst du dich selbst auch in diesem Experiment in Teilen wieder. Die Frage, wie du eigentlich mit dir redest, wenn niemand zuhört. Der Autopilot, der einfach weiterläuft. Das Gefühl, dass da mehr sein müsste, aber du weißt nur noch nicht genau was und wie du dorthin kommst.
▶️ Mein kostenloses Quiz „Mir wird alles zu viel — und jetzt?“ gibt dir in fünf Minuten einen ersten Blick, welcher innere Anteil bei dir gerade das Steuer hat.
▶️ Das Workbook, das mich durch diese sechs Wochen begleitet hat, kannst du dir sichern, auch ohne eine Challenge daraus zu machen: ein Beobachtungsrahmen für sechs Wochen, täglich, ohne Erwartung.
▶️ Und wenn du das nicht alleine durcharbeiten möchtest, freue ich mich über eine Nachricht. In meinem 6-Wochen-Programm „Bis hierher. Und jetzt anders.“ arbeiten wir ganz individuell miteinander.
Vereinbare einfach ein unverbindliches Erstgespräch und wir schauen auf deine Optionen.
xo, Tina


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